Home | Kontakt | Impressum | Polski |    



Friedhof im Dorf Kot

[Bearb. Bernard Mack]

Informationen über den Friedhof in Kot, zusammen mit einem Lageplan und anderen Daten, die noch auf den Grabsteinen zu lesen sind, sind auf der offiziellen Website der Gemeinde Jedwabno unter dem Link Friedhof im Kot verfügbar. Um die Details anzusehen, öffnen Sie das Bild mit den Parzellen A und B, dann erscheint der Friedhofsplan mit markierten und nummerierten Gräbern, die identifiziert werden konnten. Nach dem Drücken der Nummer des ausgewählten Objekts erscheint ein Kontextmenü mit den Daten zum ausgewählten Grab.
Auf unserer Seite möchten wir jedoch diese Angabe um einige Informationen vervollständigen bzw. ergänzen, die auf der offiziellen Website der Gemeinde Jedwabno nicht zu finden sind.

Der historische Friedhof in Omulefofen wird im Volksmund und auf Google Maps als „ehemaliger evangelischer Friedhof“ bezeichnet. Der Name scheint mir hier nicht richtig zu sein, weil es in der Vorkriegszeit in Omulefofen nie irgendwelche Kirchenareale gab. Die Tatsache, dass die meisten Einwohner unseres Dorfes des evangelischen Glaubens waren, bedeutet nicht automatisch, dass nur Menschen des evangelischen Glaubens dort begraben wurden, und dies umso mehr, dass dieser Friedhof von keinem religiösen Verein verwaltet war. Zu deutschen Zeiten lebten hier meines Wissens sowohl Katholiken als auch Vertreter anderer Religionen. Nach den statistischen Daten für den Kreis Neidenburg (--> s. Verwaltungsgeschichte: Neidenburg) die Zahl der katholischen Einwohner lag je nach historischer Periode zwischen 8 und 12,5%. Das Dorf Kot (damals Omulefofen) als Teil dieses Kreises hatte wahrscheinlich ähnliche Proportionen. Da es im Ort keinen weiteren Friedhof gab und die Pflege des Friedhofes von einem staatlichen Diener ausgeübt wurde, ist anzunehmen, dass es sich um einen Gemeindefriedhof handelte.
In der Zwischenkriegszeit wurde der Friedhof von dem sogenanntem Dorfdiener (Assistent des Dorfvorstehers, ich erwähnte dies bereits im Artikel über Glockenturm) Friedrich Salomon betreut. Ein kleines (bis heute bestehendes) Haus in der Nähe des Friedhofs war ein Domizil des Dorfdieners. Meine These wird auch durch die Tatsache bestätigt, dass im Jahre 1952, als hier noch ein Großteil der evangelischen Einwohner lebte, wurde auf diesem Friedhof ein Bewohner unseres Dorfes beerdigt, der als Neusiedler einer anderen als der evangelischen Konfession angehörte.

Das genaue Datum der Gründung dieses Friedhofs ist uns nicht bekannt. Nach den verfügbaren Dokumenten in Form von Sterbeurkunden der Einwohner von Omulefofen scheint es, dass die verstorbenen Einwohner bis Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Pfarrfriedhof in Jedwabno begraben wurden. Das älteste Grabmal (auf dem Foto neben links), an dem das Datum seiner Errichtung ablesbar ist, stammt aus dem Jahr 1902. Dort wurde mein Urgroßvater Michael Mack bestattet.

Die letzte Beerdigung auf dem Friedhof von Kot, dessen Grabstein bis heute erhalten ist (Foto rechts), fand 1958 statt. Ungefähr drei Jahre später wurde noch eine andere Person namens Nowacka in der Nähe dieses Grabsteins begraben. Leider kann ich heute den genauen Standort dieses Grabes nicht lokalisieren.



Die Ruhestätte auf diesem Friedhof wurde für Menschen gefunden, die bis zum Zeitpunkt der Beerdigung in unserem Dorf gelebt haben. Sie können hier verschiedene Namen treffen, darunter auch die, die im Artikel über die Dorfgeschichte erwähnt wurden (zob. Die Schule im Kot), wie Gustaw Lange, der Lehrer in Kot war.

Die Ausnahme bildet die Stelle im südöstlichen Teil des Friedhofs, wo ein unbekannter Soldat der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs bestattet wurde. Ich erinnere mich aus meiner Kindheit (um 1955) an ein stehendes Holzkreuz, an dem ein Militärhelm aufgehängt war. Leider ist es mir heute nicht mehr möglich, diesen Ort genau zu lokalisieren oder seine weitere Geschichte zu erzählen.

Erwähnenswert ist auch der Gedenkobelisk, der gleich links am Eingang zum Friedhof steht. Es ist ein Feldstein mit einer Gedenktafel, die an den Namen eines großen Freundes dieses Landes erinnert, der nach dem Krieg hierher mehrmals zu Besuch kam und in der Region bekannt war. Einer der Bewohner unseres Dorfes hat sich um den Gednken bemüht. Otto Brenda, weil ihm dieser Stein gewidmet ist, war vor dem Krieg ein Einwohner des Dorfes Malga und Autor eines Diagramms des Dorfes mit zugehöriger Liste seiner damaligen Einwohner. Auf der Grundlage seiner Skizze wurde eine Gedenktafel angefertigt, die bis heute in der Nähe der Ruinen der Malga-Kirche steht. Nach dem Krieg lebte Otto Brenda dauerhaft in Deutschland, besuchte jedoch oft das Dorf Kot (eh. Omulefofen), als der nächstgelegene Ort seines Heimdorfes. Im Jahr 2004, während eines Aufenthalts in seiner alten Heimat, hielt es sein Herz nicht aus. Er wurde ins nahe gelegenen Krankenhaus gebracht und leider dort verstarb. Seine Familie zeigte kein Interesse daran, den Leichnam an seinen dauerhaften Wohnort zu bringen. Er wurde auf dem Friedhof (wahrscheinlich) in Pisz als NN begraben.

Ab dem Jahr 1958 bis das Jahr 2017, als der Friedhof in das Denkmalverzeichnis eigetragen wurde, wurden hier keine Bestattungen mehr vorgenommen. Gedenktafeln der Toten, die hier noch mit dem Todesdatum nach 1958 zu finden sind, erinnern an die in diesem Dorf lebenden, aber auf anderen Friedhöfen bestatteten Einwohner. Dass hier Menschen mit polnischen und deutschen Wurzeln nebeneinander lebten, belegen die auf den Grabsteinen zu findenden Familiennamen. Namen wie Trzeszewski, Falkowski, Romanowski oder Stach zeugen davon, dass ihre Vorfahren in einer Generation aus polnischen Gebieten nach Kot kamen, während diese wie Henselleck, Ritter, Schupetta, Behrendt oder Mack Zeugnisse von Siedlern sind, die aus deutschen Gebieten kamen. Über Jahrhunderte, durch die Eheschließungen zwischen polnischen und deutschen Bewohner untereinander, bildete sich eine neue soziale Gruppe. Die wurde ab dem 18. Jahrhundert als Masuren genannt.

Ihre Sprache, die sie miteinander kommunizierten, enthielt Elemente der polnischen, deutschen und altpreußischen Sprache, die üblicherweise als masurische Sprache bezeichnet wird. Die im Jahre 1910, während der Volkszählung im Kreis Neidenburg (zu dem damals Omulefofen gehörte), erfasste Daten besagen folgendes: 35,1% der Einwohner sprachen Deutsch, 17,6 % Polnisch, 42,3% Masurisch und 45% der Bevölkerung bezeichneten sich als zweisprachig ( s. Regierungsbezirk Allenstein). In Anbetracht der Tatsache, dass diese Daten auch für die Stadt Neidenburg gelten, ist davon auszugehen, dass in Omulefofen (Dorf) der Anteil der Einwohner, die polnisch und masurisch gesprochen haben, etwas höher war.

Die Gräber, die in der Nähe des Forsthauses Omulefmühle liegen, stehen in keinem Zusammenhang mit dem Friedhof Omulefofen, da es sich hier um die Familiengräber der Familie Paulini handelt. Dieses Areal bildete im 19. und 20. Jahrhundert das Gut Omulefmühle, das dieser Familie gehörte.
In der Nähe von Omulefofen befinden sich noch mehrere Militärfriedhofe aus dem Ersten Weltkrieg. Am nächsten zu unserem Dorf liegen die in Zimna Woda, Uścianek und Orłowo. Hier fand die größte Schlacht des Ersten Weltkrieges in Ostpreußen.

      

Seitenanfang